Die Druckbranche verfügt über immer weniger Nachwuchs: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ging 2025 in Deutschland um 10 % zurück, auf knapp 2.500. Vor 10 Jahren waren es noch fast doppelt so viele. Dazu eilt der Branche der Ruf voraus, eher konservativ und männerdominiert zu sein. Klingt nicht nach idealen Bedingungen für eine zukunftsorientierte, noch dazu weibliche Karriere.  

Wir haben Melanie Infusino um ihre Meinung dazu gefragt. Die Rheinländerin ist gelernte Informationselektronikerin, stieg bei Konica Minolta als Außendiensttechnikerin ein und betreut heute als Account Executive Professional Printing Druckereien in Nordrhein-Westfalen. Das Buch „Frauen des Jahres 2026 – Lernen von den Besten für die eigene Karriere“ beschreibt ihren Werdegang als einen beispielhaften Karriereweg für erfolgreiche Frauen. 

Würdest du einem 15-jährigen Mädchen, das sich für eine Karriere in Druckbranche interessiert, zu so einem Weg raten? 

Melanie Infusino: Ja, definitiv. In dieser Branche hat man immer noch viele Möglichkeiten. 

 

Die wirtschaftlichen Perspektiven in der Druckbranche sind aber nicht gerade rosig. 

Melanie Infusino: Die ganz klassischen Druckereien verschwinden tatsächlich vom Markt. Gerade in Nordrhein-Westfalen sehen wir eine extreme Konsolidierung der Branche. Wenn Druckereien seit 60 Jahren nur Offset machen und nicht mehr in neue Systeme investieren, dann wird es sie nicht mehr lange geben. Aber es gibt auch ganz andere Druckbetriebe – jene, die durchdigitalisiert sind, die mit KI arbeiten, in der junge, dynamische Leute tätig sind. In diesen Betrieben ist es sehr spannend und die haben auch Zukunftspotenzial. 

 

Aber insgesamt wird weniger gedruckt. Wo ist da die Dynamik? 

Melanie Infusino: Es gibt eindeutig Wachstumsbereiche wie den Verpackungsdruck oder auch den Etikettendruck. Man muss ja nur mal durch einen Supermarkt spazieren, da hat wirklich alles ein Etikett. Wie trifft man zum Beispiel eine Weinentscheidung? Oft aufgrund eines bunten Aufklebers. Und die Etiketten entwickeln sich weiter, werden anspruchsvoller, sind immer öfter personalisiert. So etwas wird in Zukunft mehr nachgefragt sein als der Druck von einer Million Broschüren oder fünf Millionen Flyern. Als Druckerei darf man nicht stillstehen, sondern man muss immer gucken: Wo finde ich eine neue, zukunftsträchtige Nische, in der es Nachfrage gibt und wo ich Geld verdienen kann. Das können Stickeralben sein oder Abizeitschriften oder ganz andere Dinge. 

 

Vermutlich sollte man versuchen, in einer dieser dynamischen, innovativen Druckereien seine Karriere zu starten. Woran erkennt man einen Betrieb mit Zukunft? 

Melanie Infusino: Ich würde auf gar keinen Fall in ein Unternehmen gehen, das sagt: Das machen wir schon immer so und deshalb bleiben wir auch dabei. Denn dort wird bald die Tür für immer zugehen. Ich würde konkret auf den Maschinenpark achten – ist er altbacken oder wird investiert? Wer die letzten Jahre nicht neue Systeme angeschafft hat, schießt sich gerade ins Abseits. Ich würde darauf achten, wie digital der Betrieb ist. Wie automatisiert sind die Workflows? Hat er vielleicht einen Onlineshop? Hat er neue Produkte entwickelt? Schließt er sich mit anderen Druckereien zusammen, um gemeinsam stärker zu sein? Sind junge Leute im Unternehmen, die hier ihre Ausbildung gemacht haben und dann geblieben sind? Das sind alles positive Signale. 

 

Welche Ausbildung würdest du dem erwähnten Mädchen für eine erfolgreiche Druckkarriere empfehlen? 

Melanie Infusino: Wenn man eine gewisse Affinität zu Technik hat, sollte man keine Scheu vor einer handwerklichen, technischen Ausbildung – in Deutschland etwa als Medientechnologin oder in Österreich als Drucktechnikerin – haben. Ich selbst habe mit einer technischen Ausbildung in einem Betrieb gestartet und das hat für mich sehr gut funktioniert. Heute bin ich in einem Bereich erfolgreich, wo die meisten Kolleg*innen studiert haben. Man kann auch Mediengestaltung lernen, allerdings ist die Ausbildung in der Schule oft erschreckend theoretisch. Da fehlt manchmal die Praxis und dadurch lernt man oft nicht, welche kreativen Möglichkeiten es eigentlich gibt, etwa in Sachen Veredelung. Direkt an der Maschine hingegen lernt man, was in der Praxis alles möglich ist. 

„Als ich als Technikerin zu Kunden rausgefahren bin, wurde ich ständig mit Vorurteilen konfrontiert. So nach dem Motto: Was wollen Sie denn hier, eine Frau kann das doch gar nicht.“ 

Melanie Infusino, Account Executive Professional Printing bei Konica Minolta 

Die Druckbranche gilt als sehr männerdominiert, auch das könnte für ein junges Mädchen abschreckend wirken. Wie war das für dich? 

Melanie Infusino: Als ich als Technikerin zu Kunden rausgefahren bin, wurde ich ständig mit Vorurteilen konfrontiert. So nach dem Motto: Was wollen Sie denn hier, eine Frau kann das doch gar nicht. Dafür fand ich dann schon mal eine Handynummer in der Jackentasche. Es war also manchmal sehr schwierig. Doch das Gute ist: Wenn man sich mal bewiesen hat, dann hatte man wirklich ein Stein im Brett. Man musste einmal durch und dann hieß es bei einem Problem oft: Die Frau soll wieder kommen, die macht das so gut. Ich habe den Schritt in die Branche nie bereut. 

 

Wie reagiert man am besten auf solche Vorurteile? 

Melanie Infusino: Das Wichtigste ist, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. In das vertrauen, was man kann, und mit Selbstbewusstsein sagen: Ich krieg das hin. Und wenn der Kunde ungeduldig wird, einfach sagen: Die Maschine ist dann fertig, wenn sie fertig ist. Man muss das ja nicht persönlich nehmen, viele sind halt wirklich überrascht, wenn plötzlich eine Frau mit dem Werkzeugkoffer auftaucht. 

 

Bemerkst du einen kulturellen Wandel in der Druckbranche? 

Melanie Infusino: Ja, die Branche wird insgesamt lockerer. Es findet ein Generationenwechsel statt und die Jüngeren haben viele Vorurteile gar nicht mehr. Manchmal muss ich zu einem Kundentermin mein kleines Kind mitbringen, das ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, die laufen dann mit dem Kind auf dem Arm durch die Druckerei. Ich glaube, das war noch vor ein paar Jahren unmöglich. 

 

Wenn du eine Sache in der Druckbranche ändern könntest – welche wäre das? 

Melanie Infusino: Ich würde mir noch mehr Frauen wünschen. Mehr Frauen, die frischen Wind reinbringen. Die Branche ist teilweise immer noch sehr festgefahren. Auch wenn die Transformation bereits begonnen hat und wir auf einem guten Weg sind. Aber noch mehr Veränderungsfreude wäre schön. Dann könnte die Branche in fünf Jahren ganz anders aussehen. 

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